Maßnahmenkatalog FGSV

Maßnahmenkatalog FGSV

Die RASt, ERA und die einschlägigen E-Regelwerke sind zu einer gemeinsamen, integrierten Richtlinie zusammenzuführen, um Planung und Anwendung zu vereinfachen und zu vereinheitlichen. Grundlage dieser Harmonisierung sollte die neu vorgeschlagene funktionale Straßenkategorisierung sein.

Einführung einer vereinfachten, funktionalen Straßenkategorisierung:

neue Kategorieaktuell in der RAStFunktionale Übersetzung
WohnstraßenWohnstraße, Sammelstraße untergeordnet, ErschließungsstraßeStraßen des „ruhigen Wohnens“, Schwerpunkt auf Aufenthaltsqualität und Sicherheit
DurchfahrtsstraßenSammelstraße, HauptsammelstraßeStraßen der „Bündelungsfunktion“ mit Mischcharakter – Verbindung, aber noch Nachbarschaftsbezug
HauptstraßenHauptverkehrsstraße, übergeordnete StraßeStraßen mit „Leistungsfunktion“ für den überörtlichen Verkehr

Diese Kategorien dienen als Grundlage für abgestufte Geschwindigkeitsregime, Sicherheitsstandards und Gestaltungsprinzipien im Sinne einer Kind- und Menschengerechten und klimagerechten Stadt.


Begründung

Die derzeitigen Richtlinien unterscheiden eine Vielzahl detaillierter Straßentypen, deren Komplexität in der Praxis häufig zu Missverständnissen, Fehlplanungen oder inkonsistenten Lösungen führt. Diese technisch geprägte Differenzierung erschwert die gemeinsame Arbeit von Straßenbaulastträgern, Verkehrsbehörden und Kommunen und ist für Bürgerinnen und Bürger kaum nachvollziehbar.

Eine funktional orientierte, dreistufige Typologie schafft Klarheit und stärkt die Sicherheit vulnerabler Verkehrsteilnehmender – insbesondere von Kindern. Gleichzeitig bleibt sie vollständig anschlussfähig an bestehende Regelwerke. Diese Reduktion stärkt das Systemdenken, erleichtert die Kommunikation zwischen Behörden und unterstützt eine kindgerechte Stadtentwicklung.

1. Definition der drei Kategorien

Wohnstraßen

  • Tempo 20
  • Vorrang für Aufenthalt, aktive Mobilität, Begegnung
  • Umsetzung als Fahrradstraße, verkehrsberuhigter Bereich oder Straßenraum ohne passive Mobilität
  • Keine Parksuch- und Durchfahrtsverkehre

Durchfahrtsstraßen

  • Tempo 30 als Regelfall
  • Geschützte Radwege und sichere, häufige Querungsmöglichkeiten
  • Verbindung zwischen Quartieren ohne Hochleistungsanspruch

Hauptstraßen

  • 4-spurige oder klar leistungsorientierte Achsen
  • Tempo 50 (nur im Ausnahmefall höher)
  • Physische Trennung der Verkehrsarten, kontrollierte Querungen

2. Wirkung

  • Erhöhte Sicherheit für Kinder und andere verletzliche Verkehrsteilnehmende
  • Besserer Klimaschutz und Klimaanpassung
  • Effizientere Planung
  • Höhere Akzeptanz in der Bevölkerung

Eine konsequente Umsetzung dieser Straßentypologie führt zudem zu einer erheblichen Vereinfachung für Kraftfahrzeugführer:innen. Die zulässige Geschwindigkeit wäre stets eindeutig. Diese klare Logik macht das Fahren berechenbarer und reduziert den heute weit verbreiteten „Schilderwald“, der durch häufig wechselnde Temporegelungen, Zusatzzeichen und zeitlich begrenzte Ausnahmen entsteht. Weniger Beschilderung, klare Regeln und ein einheitliches System tragen dazu bei, Fehlerquoten zu senken und das Verkehrsgeschehen für alle verständlicher und sicherer zu machen.